
Ich denk’ an euch, ihr himmlisch schönen Tage
Der seeligen Vergangenheit!
Komm, Götter-Kind, o Phantasie, und trage
Mein sehnend Herz zu seiner Blüte-Zeit!
Umwehe mich, du schöner, goldner Morgen,
Der mich herauf in’s Leben trug,
Wo, unbekannt mit Thränen und mit Sorgen,
Mein frohes Herz der Welt entgegen schlug!
Umglänze mich, du Unschuld früher Jahre,
Du mein verlornes Paradies!
Du süsse Hofnung, die mir bis zur Bahre
Nur Sonnen-Schein und Blumen-Wege wies!
Seid noch einmal an’s treue Herz geschlossen,
Ihr Freunde meiner Jugend-Zeit!
Wo seid ihr hin, ihr traulichen Genossen,
Ihr Lieben, die sich sonst mit mir gefreut?
Ach! viele schon hält tiefe Nacht umfangen!
Sie schlummern in der Mutter Arm!
Blüht wieder auf, ihr eingesunknen Wangen!
Ihr kalten Herzen, werdet wieder warm!
Umsonst! umsonst! mein Sehnen ruft vergebens
Erstorbne Freuden wieder wach!
Sie welken schnell, die Blumen unsere Lebens,
Und wir — wir welken ihnen langsam nachj.
O schönes Land, wo Blumen wieder blühen,
Die Zeit und Grab hier abgepflückt!
O schönes Land, in das die Herzen ziehen,
Die sehnsuchtsvoll zu dir empor geblickt!
Uns Allen ist ein schwerer Traum beschieden;
Wir Alle wachen fröhlich auf!
Wie sehn’ ich mich nach deinem Gottes-Frieden,
Du Ruhe-Land, nach deinem Sabbath auf!
Siegfried August Mahlmann
